Keynes vs Friedman

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Erst schafft ihr das Problem
und dann kommt der Heiland.
Es ist ein schönes Geschäft.
Die Volkswirtschaftslehre (VWL) ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft und untersucht allgemein Zusammenhänge bei der Erzeugung und Verteilung von Gütern und Produktionsfaktoren. Dabei beschäftigt sie sich auch mit der Frage, wie menschliches Handeln ökonomisch begründet werden kann bzw. welches Handeln den größtmöglichen Nutzen für den Einzelnen bringt.

Diesem Anspruch soll im Rahmen der Makroökonomik auch die volkswirtschaftliche Disziplin der Geldtheorie gerecht werden. In Teilgebieten wie der Theorie der Geldnachfrage, die Theorie des Geldangebots (Geldschöpfung), der Erklärung des geldpolitischen Transmissionsmechanismus, der Inflationstheorie, der Zinstheorie oder der Theorie der Geldpolitik untersucht die Geldtheorie Wesen, Funktionen, Wert sowie Wirkungen des Geldes.
Seit den 1930er Jahren wird die Geldtheorie bis in die Gegenwart hinein von zwei gegensätzlichen Lehrmeinungen beherrscht:
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 Keynesianismus

Darunter wird (nach John Maynard Keynes) eine Theorie verstanden, in der die gesamtwirtschaftliche Nachfrage die entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung ist. Die zentrale Botschaft besteht darin, dass das marktwirtschaftliche System auch bei flexiblen Preisen und Löhnen nicht automatisch zur Vollbeschäftigung tendiert. Vielmehr kann es auch langfristig in einem Zustand der Unterbeschäftigung verharren; in diesem Fall soll der Staat (Regierung und Notenbank) zu finanz- und geldpolitischen Mitteln greifen, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder an das Niveau heranzuführen, bei dem Vollbeschäftigung herrscht. Eine wichtige Einsicht sei außerdem, dass mikroökonomisch (einzelwirtschaftlich) sinnvolle Verhaltensweisen im makroökonomischen (gesamtwirtschaftlichen) Kontext völlig falsch sein können.
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Monetarismus

Diese wirtschaftstheoretische und wirtschaftspolitische Konzeption greift (mit Milton Friedman) die bereits in den 1930ern erdachte Theorie einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik wieder auf. Monetaristen sehen in der Regulierung der Geldmenge die wichtigste Stellgröße zur Steuerung des Wirtschaftsablaufes. Eine zu starke Ausdehnung der Geldmenge führe demnach zu Inflation, eine zu starke Bremsung des Geldmengenwachstums zu Deflation. Kurzfristige Eingriffe des Staates zur punktuellen Steuerung der Wirtschaft werden abgelehnt. Der Monetarismus geht von einer relativ stabilen Geldnachfrage aus. Deshalb legen die Monetaristen die Annahme eines gut funktionierenden Kapitalmarktes zugrunde.


Wolfgang Waldner erklärt sehr anschaulich die Unterschiede in der Theorie anhand der Entstehung und Beseitigung von Krisen:



Nachdem Keynes also 1936 die wirtschaftspolitische Forderung nach einem aktiven, die konjunkturelle Entwicklung mittels Geld- und Fiskalpolitik steuernden Staat theoretisch untermauert hatte, startete Milton Friedman Jahrzehnte später eine Art „Gegenrevolution“, die den Staat wieder auf eine möglichst passive Rolle zurückschrauben sollte. Die Gelegenheit zum Umschwung ergab sich in den späten 1970er Jahren, als der Keynesianismus angeblich an der theoretischen Erklärung der seinerzeit gerade herrschenden Stagflation in den westlichen Industrieländern scheiterte.


Auf politischer Ebene stehen im Westen Namen wie Reagan und Thatcher und speziell in Deutschland Kohl, Schröder und aktuell Schäuble für eine aus der monetaristischen Theorie abgeleitete Wirtschafts- und Finanzpolitik der vorrangigen Stärkung des Unternehmertums und des gleichzeitigen Abbaus der sozialen Leistungen des Staates. Dass diese Entwicklung inzwischen eine kontinentale Dimension erlangt hat, beschreibt der Guardian: "Was auch immer die Gründungsideale der Eurozone sein mögen, sie halten nicht mit der düsteren Realität des Jahres 2015 mit. Das ist Thatchers Revolution, oder Reagans – aber nun in einer kontinentalen Größenordnung. Und dabei wird sie von der Idee begleitet, dass es keine Alternative gibt, entweder dazu eine Wirtschaft am Laufen zu halten oder sogar dazu welche Regierung die Bürger wählen können."

Aber es gibt immer Alternativen. Dazu, wie eine Wirtschaft am Laufen zu halten ist, sogar gleichzeitig nebeneinander her in der Euro-Zone, wie das Beispiel aus dem Frühjahr/Sommer 2016 zeigt: Der Präsident der Zentralbank, Mario Draghi, fährt eine expansive Geldpolitik à la Keynes und der Bundesfinanzminister, Wolfgang Schäuble, eine restriktive Fiskalpolitik à la Milton Friedman.